Die Entschleunigung zieht ihre Kreise…

Meinungen, Informationen, interessante Aspekte – all das findet sich in dieser Sammlung rund um das Thema Slow Life.
Unser Anliegen ist es, die Slow Life Bewegung in ihrer Vielfalt abzulichten.
Diese Rubrik wird mit der Zeit ausgebaut bzw. aktualisiert werden.
Über Hinweise von Ihnen zu relevanten Artikeln, Informationen oder Veranstaltungen rund um das Thema Slow Life würden wir uns freuen.

Nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf – auch zum Kommentieren und (kritischem) Anmerken.

Wir freuen uns!

Slow Food

Die Begeisterung über die Slow Food Bewegung wächst und wächst. Über die ganze Welt verstreut gibt es inzwischen in über 170 Ländern der Erde Slow Food Vereine. Allein Slow Food Deutschland e. V. zählt über 85 lokale Gruppen.

Die Slow Food Bewegung setzt sich für ein sozial und ökologisch verantwortungsvolles Lebensmittelsystem ein, welches die biokulturelle Vielfalt und das Tierwohl schützt. Mit Genuss und Verantwortung soll die Zukunft unserer Ernährung gesichert werden und wird mit diversen Projekten, Kampagnen und Veranstaltungen unterstützt.

Doch es gibt auch Kritik:
Die Slow Food Bewegung sei elitär, wolle missionieren und beschäftige sich mit Delikatessen und überhaupt mit Luxusproblemen. Dabei war der Start denkbar unluxuriös. Wie wahrscheinlich allgemein bekannt, war die Geburtsstunde der Slow Food Bewegung der Moment, als man in Rom direkt an der berühmten Spanischen Treppe eine McDonalds-Filiale eröffnen wollte. Ganz Italien war bis dahin von Fastfoodketten verschont geblieben, so sollte es bleiben und man setzte sich zur Wehr: es wurde eine laaange Tafel direkt vor Ort aufgestellt und die Italiener fuhren quer durch die regionalen Genüsse alles auf, was die traditionelle Landwirtschaft hergab. Sie protestierten mit Erfolg. Jedenfalls für etliche Jahre. Heute hat McDonalds auch Italien erreicht, wenngleich sie zu Beginn auf ihre spezielle Optik zu verzichten hatten.

Bei Licht betrachtet geht es der Slow Food Bewegung um jede Menge Bodenhaftung und eben nicht um delikate Abgehobenheit. Die Bewegung setzt sich u. a. für den Erhalt traditionellen Handwerks ein oder für faire Löhne in der Landwirtschaft. Sie bietet Rebstock-Patenschaften an und führt Erzeuger und Verbraucher nah zusammen. Sie bietet Workshops in Schulen an und trägt so ihren Teil gegen die Verflachung von Geschmacksrichtungen bei. Etliche Köche bei uns wie in vielen anderen Ländern gehören zur Slow Life Bewegung und leisten ihren Beitrag zum schonenden Umgang mit den Erzeugnissen der jeweils regionalen Landwirtschaft.

Den Gaumen und die Zunge sensibel zu halten für die Vielfalt in der Ernährung ist per se ein hohes Gut, und das völlig unabhängig vom Luxuscharakter eines Lebensmittels. Allein mehrere Apfelsorten auszuprobieren und die Unterschiede noch schmecken und genießen zu können ist wertvoll. Denn im Gegensatz zur industriellen Massenware – und dazu gehören auch Monopole von Apfelsorten – haben die traditionellen Apfelsorten noch eine aromatische Vielfalt, die wirklich begeistern kann.

Bei einer kleinen Testreihe assoziierten junge Menschen einen Apfelduft nicht mehr mit einem Apfel, sondern mit Shampoo. Wonach riecht das? Nach Shampoo. Wir sind so weit weg von den einfachsten Dingen in der Ernährung.

Menschen der Slow Food Bewegung stemmen sich aktiv gegen die zunehmende Verflachung von Geschmacksrichtungen, gegen die Standardisierung und Monopolisierung in der Landwirtschaft. So herrschen rege Aktivitäten in den Vereinen der Slow Life Bewegung und etliche Projekte werden sowohl initiiert als auch unterstützt.

Drei Projekte seien hier kurz vorgestellt:

Slow Food Youth: „In einem Verein, der sich seit langem für die Themen Lebensmittelwirtschaft, Landwirtschaft, Nachhaltigkeit, Umweltschutz und deren Zusammenhänge stark macht, wollen wir als junge Generation die Stimme sein, die proaktiv, frech, kritisch und kreativ für diese Standpunkte laut wird.“

Das Projekt "Arche des Geschmacks" der Slow Food Stiftung für Biodiversität schützt weltweit regional bedeutsame Lebensmittel, Nutztierarten, Kulturpflanzen sowie traditionelle Zubereitungsarten vor dem Vergessen und Verschwinden. Im derzeitigen Lebensmittelsystem gelten sie auf Grund ihrer vergleichsweise aufwendigen Herstellung oder Aufzucht als unrentabel oder sind "aus der Mode" gekommen, z. B. ebenso alte wie wirklich geschmackvolle Apfelsorten.

„Mit dem Wissen, dass biologische Vielfalt regionale Wurzeln besitzt, bewahrt die "Arche des Geschmacks" das kulinarische Erbe der Regionen. Schwerpunkt der Arbeit ist das aktive Sammeln, Beschreiben, Katalogisieren und Bekanntmachen der Passagiere. Das Motto lautet: Essen, was man retten will! (…) Es geht darum, dass die an regionale Klima- und Bodenverhältnisse angepassten vielfältigen alten Rassen und Sorten nicht nur einzigartig schmecken, sondern Bodenfruchtbarkeit, Kulturlandschaften sowie spezifische landwirtschaftliche Praktiken, Küchen und Traditionen erhalten.“

Projekt 10 000 Gärten in Afrika

Nachdem das ursprüngliche Ziel des Projekts (1.000 Gärten) Ende 2013 erreicht worden war, hat sich Slow Food entschieden, die Initiative mit einer neuen Herausforderung fortzusetzen: der Einrichtung von 10.000 Gärten! Über 30 afrikanische Staaten sind involviert sowie Zehntausende Mitglieder und AktivistInnen weltweit.

(Sie möchten noch mehr über die Slow Food Bewegung und ihre Projekte erfahren? Unter Slow + finden Sie weitere informative Links)

Ob nun in der Slow Food Bewegung oder gänzlich ohne Anschluss an Vereine oder Projekte: Essen bedeutet Kultur. Und Kultur lebt von Vielfalt. Und vom Genuss. Ein hastig heruntergeschlungenes Essen, und sei es noch so regional eingekauft, schonend verwertet und gar mit Liebe gekocht, verliert seinen Wert, weil der Respekt fehlt. Gemeint ist das vollkommen ohne moralischen Zeigefinger. Im Gegenteil: wir verdienen auch den Respekt uns selbst gegenüber. Fehlt er, sind die Folgen noch viel weitgreifender als nur in der Ernährung.

Essen wir also in Ruhe und mit Genuss. Lassen wir es uns schmecken, und seien wir dankbar. Lernen wir wieder zu zelebrieren – mit bester Laune und mit Respekt für alle und alles Beteiligte.

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