Die Entschleunigung zieht ihre Kreise…

Meinungen, Informationen, interessante Aspekte – all das findet sich in dieser Sammlung rund um das Thema Slow Life.
Unser Anliegen ist es, die Slow Life Bewegung in ihrer Vielfalt abzulichten.
Diese Rubrik wird mit der Zeit ausgebaut bzw. aktualisiert werden.
Über Hinweise von Ihnen zu relevanten Artikeln, Informationen oder Veranstaltungen rund um das Thema Slow Life würden wir uns freuen.

Nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf – auch zum Kommentieren und (kritischem) Anmerken.

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Slow Fashion

Überall greift das Slow Life Prinzip die Wertekategorie Qualität auf, so auch in der Textilbranche. Slow Fashion ist inzwischen ein weitverbreiteter Begriff, denn in der Mode sind die Schattenseiten elementar.

Außer Frage steht, dass Mode Spaß machen und abwechslungsreich sein darf, dass sie bunt und für jeden Geldbeutel etwas dabei sein darf. Dass sie Humor haben und rebellisch sein darf. Dass sie Ästhetikansprüche bedienen und Phantasie beflügeln darf.

Die Fragen, die bleiben – wieviel Arbeiterinnen und Arbeiter, wieviel Umwelt, wieviel Ressourcen darf sie schädigen?
Slow Fashion zielt genau darauf ab, und zwar sowohl auf bessere Bedingungen für Mensch und Natur als auch mehr Wertschätzung, also ein längeres Tragen von Kleidungsstücken.

Fast Fashion – also die gegenwärtige Entstehung und Nutzung von Mode – steht für schnellsten, billigsten Mengen-output ohne jeden Einhalt, für menschen- und umweltfeindlich und für gesundheitsschädlich.

Die Ausbeutung in den entsprechenden Fabriken, die Rohstofffragen, die Tausende-Kilometer-Lieferungen, der Gebrauch und der Umgang mit den schädlich-giftigen Bearbeitungssubstanzen, – auf den Weg zu unserem Kleiderbügel hat Mode in der Regel viele, viele Menschenrechtsverletzungen und Umweltsünden hinter sich gebracht.

2019 - 2021 zeigte das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg die Sonderausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseite der Mode“. Die Ausstellung stand für die Einladung, sich mit dem eigenen Konsumverhalten kritisch auseinanderzusetzen. Es wurden u. a. Fotos wie das folgende von dem Dokumentar-Fotograph Tim Mitchell (Cloothing recycled 2005) gezeigt. Es lässt erahnen, wie die Rückseite von „Mode“ in den meisten Fällen aussieht.

Wer mag, möge sich die dazugehörige Dokumentation auf Youtube anschauen:

Der Mode-Trend der zerrissenen Jeans eignet sich gut als Beispiel für entsprechende Fragestellungen, z. B. „Wertschätzung“. Ist eine Mode-Idee wie diese eine Entwertung des Kleidungsstücks? Darf die Idee sein? Wieviel Statement darf Mode ausdrücken? Wer entscheidet das? Was ist überhaupt eine Mode-Statement? Oft wird argumentiert: wenn die Hose „aufgebraucht“ wird, also getragen wird, bis sie endgültig auseinanderfällt, sei es ok. Wenn sie allerdings morgen wieder entsorgt wird, weil irgendjemand sagt, nun sei sie unmodern, dann sei es verwerflich ist.

Wenn es ein Statement ist, sei es ebenfalls ok, wenn einfach dem Mode-Diktat hinterhergelaufen wird, sei es indiskutabel. Oder sollten Jeans per se verboten werden, weil die Herstellung eine Umweltkatastrophe ist und das gesamte Kleidungsstück verzichtbar ist? Ist das so?

Die meisten der Bewertungsfragen scheinen noch offen zu sein. Dennoch tut sich etwas beim Mode-Konsument. (Und in sehr bescheidenem Maße auch in der Textil- und Mode-Industrie). Konsumenten greifen die Nachhaltigkeitsfragen auf – die mehr und mehr beantwortet werden.

  • Es gibt inzwischen lebhafte Diskussionen, um die Daseinsberechtigung eines „Wegwerf-T-Shirts“ zu 2,50 Euro.
  • Es gibt ebenso lebhafte Diskussionen um das Verbrennen retournierter Waren des Online-Modehandels.
  • Es gibt Label, die zeigen, dass auch umweltbewusst produziert werden kann.
  • Es gibt „neues“ Material wie etwa Bio-Baumwolle oder Hanf.
  • Naturfasern wie Leinen erfahren eine Renaissance
  • Personen aus der „Glamourwelt“ mit vielen Followern greifen das Thema auf und tragen auf ihre Weise etwas dazu bei, Konsumenten zu sensibilisieren (mögliche dahinterstehende Motive bleiben hier unberücksichtigt)
  • Es werden Prüfverfahren eingeführt und der wichtige Kampf um das Lieferketten-Gesetz ist in vollem Gange.
  • Das Konsumentenverhalten fängt an, sich positiv zu verändern.

Vielen mag das zu wenig sein. Aber ohne Anfänge wird es nicht funktionieren.

Es gibt auch Stiftungen, die sich kümmern.
Die CMIA Stiftung steht z. B. für Cotton made in Afrika, bei der die soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit im Mittelpunkt stehen. Es geht um geförderte Kleinbauern über Biodiversität bis hin zur Verbesserung von Lebensqualität.

Slow Fashion steckt mitten in der Diskussion. Das ein oder andere wurde schon erreicht, vieles wird folgen müssen, will man dem Begriff gerecht werden. Aufgerufen sind wir alle, mit einem kritischen Blick in unseren Kleiderschrank oder in unsere Einkaufstüten zu schauen. Nicht, um die modische Lust abzuschaffen, sondern im Gegenteil – um uns die Freude an Mode bewahren zu können, ohne andere, ob Mensch, ob Umwelt, dafür den wahren Preis zahlen zu lassen.

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